Burn-Out und Schlafstörungen - ein Kreislauf

Burn-Out ist in den letzten Jahren zum Massenphänomen geworden.

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland berichtet regelmäßig oder gelegentlich typische Burnout-Symptome wie Schlafstörungen, anhaltende Erschöpfung, Anspannung und innere Unruhe. (Quelle: Ärzteblatt, April 2018). Diese Anzahl hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Experten erwarten einen weiteren Anstieg der Fallzahlen.

Für viele ist „Burn-Out“ eher ein Modebegriff und tatsächlich wird das Burn-Out-Syndrom nicht als eigenständige Krankheit einheitlich beschrieben. Grundlegend geht man von einem Grundzustand enormer körperlicher und emotionaler Erschöpfung aus. Hierbei können zahlreiche Symptome entstehen. Allen voran stehen oft Schlafstörungen.

 

Entwicklung und Dynamik eines Burnouts

In den meisten Fällen zeigen sich Frühwarnsymptome zunehmend über einen längeren Zeitraum hinweg. Ein nicht erholsamer Schlaf oder gar eine (beginnende) Insomnie sind meist die ersten Anzeichen des Körpers, das etwas nicht stimmt. Unser Schlaf ist der Seismograph unseres Wohlbefindens. In dieser so genannten Vor- oder Früh-Krankheitsphase (Prodromalphase), können Betroffene noch mit weniger intensiven Interventionen der Ausbildung des vollen Symptombildes entgegenwirken.

Im Kontrast zu einer normalen Erschöpfung nach einer intensiven und arbeitsreichen Zeit, reicht Ausruhen bei einem beginnenden Burn-Out-Syndrom nicht mehr. Ein besonderes Krankheitszeichen ist, dass freie Abende, Wochenenden und oft auch ein Urlaub nicht mehr ausreichend sind, um zu einem erholten und leistungsfähigen Gefühl zurück zu kommen. Die begleitenden Schlafstörungen erschweren zusätzlich die Regeneration.

Die Symptome eines Burn-Out

  1. Schlafstörungen
  2. Erschöpfung, Energiemangel, Gefühl des ausgebrannt-seins
  3. Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme
  4. Leistungs- und Antriebsschwäche
  5. Ängste, innere Leere, mangelndes Sinnerleben
  6. Überforderungen und Entscheidungsunfähigkeit
  7. Magen-Darm-Problematiken, Hautausschläge, (Rücken-)Schmerzen

Risikogruppen und Betroffene

Grundsätzlich kann heute jeder von einem Burn-Out betroffen sein.

Erwachsene Personen, deren Aufgabenbereiche große Verantwortung, Termindruck und häufige Reisetätigkeit beinhalten können genauso betroffen sein wie Menschen, die in langweiligen Routinen arbeiten, unklare Aufgabeninhalte haben oder unter einem schlechten Betriebsklima leiden. Doch nicht nur die beruflichen Anforderungen können zum Burn-Out führen.

Hohe Anforderungen von Schule und nicht zuletzt vieler Eltern an ihre Kinder führen bereits dazu, dass Burnout längst kein Thema mehr nur für Erwachsene ist.

Perfektionismus, hohe Anforderungen an sich selbst, mangelndes Sinnerleben oder Ängste, die sich im Privatleben niederschlagen, können ebenfalls zu einer Burn-Out-Symptomatik führen.

Wie kann man Burnout behandeln?

In der Vor- oder Frühkrankheitsphase der Erkrankung können bereits kleine Maßnahmen helfen, die jedoch als fester Bestandteil in den Alltag integriert werden sollten. Hinzu zählen mehrere kleine Pausen am Tage, Selbstfürsorge, Bewegung, eine adäquate Ernährung und ausreichender Schlaf.

Wenn die Burn-Out-Symptome jedoch länger anhalten oder bereits zur Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) geführt haben, sollten Sie unbedingt professionell Hilfe aufsuchen: Ausruhen allein hilft dann nicht mehr.
An dieser Stelle ist es unerlässlich zunächst einen guten und erholsamen Schlaf wiederherzustellen.
Von einer medikamentösen Behandlung raten wir an dieser Stelle ab, da Medikamente nie an der Ursache der Schlafstörung ansetzen, sondern nur das Symptom des Nicht-Schlafen-Könnens kurzfristig lindern.
Langfristig verschlimmern Schlafmittel (Hypnotika) die Erkrankung zusätzlich: schlimme Suchterkrankungen und Komplikationen in der Krankheitsdynamik sind die Folge. Die kognitive Verhaltenstherapie der Schlafstörung (KVT-I) stellt die basale Standarttherapie dar, die bei einfachen Schlafstörungen oft ausreichend ist. Hierzu zählen Techniken wie Psychoedukation, Stressmanagement, Verhaltensänderung, kognitive Disputation und Ähnliches.

Für länger oder schwerer Erkrankte haben wir basierend auf unserer Erfahrung innovativere Behandlungsmethoden entwickelt. Hierzu zählen beispielsweise neuro- und körper-therapeutische Techniken und eine spezielle Yogatherapie.

Betroffene sollten unbedingt wissen, dass eine Burn-Out-Therapie nie schnell geht, Geduld ist gefragt, da der Körper und die Psyche erst von Dauerstress auf ein gesundes Belastungsniveau umschalten müssen.

Burn-Out und Depression

Eine immer wieder aufkommende Frage: Ist Burn-Out eine Depression?

Die diagnostische Eingruppierung eines Burn-Out-Syndroms erfolgt tatsächlich in die Kategorie der depressiven Störungen. Das ist grundsätzlich sinnvoll, da sich die Stammsymptome beider Syndrome überlappen. Depressionen sind nicht immer durch eine niedergeschlagen und gedrückte Stimmung gekennzeichnet. Auch ein Verlust des Sinnerlebens, Antriebsmangel und Freudverlust bei einem Gefühl der Inneren Leere erfüllen das volle Symptombild einer Depression.

Daher spricht man beim Burn-Out von einer Erschöpfungsdepression. Das Gute daran ist: Depressionen sind sehr gut behandelbar.

Und genau an dieser Stelle zeigt sich erneut wie wichtig ein gesunder und erholsamer Schlaf ist. Der Schlaf hat neben der eigentlichen Regeneration des Organismus eine Vielzahl von anderen Funktionen. Hinzu zählen die Wiederherstellung der kognitiven und Körperlichen Leistungsfähigkeit, die Emotionsregulation, die Gedächtnisbildung und ebenfalls die Motivierung und Sinngebung.